Archiv für März 2010

Mein Schneckchen Emma

Eine Zeit abgetaucht

Dem Horst Auwela sein Ersuchen auf Unterstützung bei der Wohnungsreno-vierung wurde aus empfindlichen Gründen abgelehnt. Er wird wohl ein Kreuz an der falschen Stelle, ins falsche Kästchen gesetzt haben. Aus diesem Grund war ich in den letzten Wochen stark eingespannt. Der Ofen-Erich war mit seinem Kleintransporter behilflich. Viel Arbeit hat das Entfernen der mit Latexfarbe bestrichenen Rauhfaser gemacht. Latexfarbe auf ‘ner Rauhfaser, da dringt kein Wasser hinter. Die Wände beigeputzt und Tiefgrund aufgetragen. Da, wo der Horst seine Frikadellen brutzelt, haben wir eine ganz einfache Fliese verlegt, daß er die Fettspritzer leicht wegwischen kann. Wegen der Feuchtigkeit verwendeten wir eine Fungizidwandfarbe. Bis auf das Bett war aller Hausrat  in der Garage vom Ofen-Erich untergebracht. Der Horst hat auf seiner Baustelle geschlafen, das hat ihm nix ausgemacht. In der ganzen Zeit haben seine vier Gaststätten auf seine Bremsklötze verzichten müssen. Zum Schluß noch der Laminatboden, da war der Horst dann zwei Tage bei seiner Schwester.

Horst lebt wieder in würdigen Verhältnissen

Der Horst strahlt, als hätten wir eine neue Regierung, eine neue Weltordnung, wie wenn jetzt alles gut würde.

Keine doofen Menschen

Richtige Menschen, keine doofen Menschen. Beschränkte Menschen, so wie unsereiner, aber keine Blödels. Und wenn dann doch Blödels, dann halbwegs sympathische. Deshalb sind wir einfach etwas länger geblieben, in der Eppenhauser Str. Die geht seit Jahr und Tag aus der Rembergstraße hervor, von Stadtmitte vom Night Club den Berg hoch bis zur Haßleyer Straße. Das ist ein ganzes Stück. Wenn man diese Straße zu Fuß schafft, hat man am nächsten Tag Schmerzen in den Schienbeinen. Ein Grund, uns für ein paar Tage in der Jugendherberge einzuquartieren.

Eine echte Straße

In der Schillerstraße wohnen nur Doofe.

Die Eppenhauser Str., incl. der Rembergstraße, wird größtenteils bewohnt von Menschen, die gewöhnliche Gespräche führen.  Dagegen führen die Bewohner in der Schillerstraße eine ungewöhnlich dämliche Art von Unterhaltung, direkt einen Scheiß teilen sie sich mit. Deshalb bezeichnet man diese Art der Kommunikation nicht Gespräch, sondern Dialog. In der Eppenhauser Str./Rembergstr. tragen die Bewohner schlichte bis unansehnliche und nachlässige Kleidung, keiner weiß, warum. In der Schillerstraße geht es gedanklich wie auch modisch noch ärmer zu. Aber dort gehört es zum guten Ton.

In der Eppenhauser Str. gibt es den Santorini-Grill und eine Metzgerei, einen Aktiv-Markt und den Penny, eine Eisdiele, einen Damen- und Herrenfriseur, mehrere Versicherungsagenturen mit Hinweisen zur Riester-Rente oder Berufsunfähigkeitsversicherung, eine physiotherapeutische Praxis, eine Änderungsschneiderei und einen Gebrauchtwagenhändler gegenüber einer Bio-Bäckerei. In der Schillerstraße, und das bin ich so satt, 1-A-Satt, da gibt es nicht einmal eine Kalbsleberwurst und ein Dinkelbrot. In der Schillerstraße fährt noch nicht einmal ein Bus.

In der Eppenhauser Str. ist es nicht sehr lustig. In der Schillerstraße aber ist es nur traurig, das ist wahr, man glaubt’s nur nicht. Die Bewohner der Schillerstraße sind schrille Typen. Manche erlebten seltsame Abenteuer in Dschungelscamps und tun sich dennoch schwer, den rauen Charme der Eppenhauser Straße wett zu machen. Die Schillerstraße wird bevölkert von wirklichen Langweilern von Hohen Gnaden. Aufwärts von der Rembergstraße hoch in die Eppenhauser bis zur Haßleyer Str., wo der Bus wegfährt Richtung FernUniveristät, da schauen die Menschen mit einem, und manche mit zwei verkniffenen Augen aus ihren Fenstern, wenn sie denn überhaupt wollen.

Nicht in die Schillerstraße! Eppenhauser Str.!

Ausflug nach Hagen

Gestern waren wir dann in Hagen. Achim hatte mich in den Santorini-Grill in der Eppenhauser Straße eingeladen:

“Gyros komplett?”

“Komplett.”

“Mit allem?”

“Komplett mit allem.”

Die Rita hat ihm bereits zugesagt, als Achim ihr sein Halbjahreszeugnis vorgelegt hat, Durchschnitt 1,2. Dies Jahr ist Abitur. Jahrgangsbester. Anschließend  Studium der Medizin, der Mathematik und Physik, Literatur, Tanz, Sport und Unterhaltung. Dann Auszeichnung durch die Stadtteile Mülheim-Styrum, Mülheim-Dümpten und Saarn. Kapitänsmütze der Ruhrflotte und die Goldene Gabel vom Santorini-Grill in der Eppenhauser Straße. Die Rita hat sofort “JA” gesagt.



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