Archiv für 28. Februar 2010

Bettina, Thomas, Hermann und Ingo

Am Samstagmorgen waren die Kinder da und haben mich zum Einkaufen abgeholt. Wir waren auf dem Markt in Oberhausen. Ich besorgte mich Äpfel, Mangos, Karotten, Zwiebeln, ein Brot und Streuselkuchen, 500gr. Blütenpollen, Eier und ein Sträußchen Blumen für die Schwiegertochter.  “Hast du was gut zu machen”, fragte sie. Dann holten wir Tina ab und besorgten den Drucker.

Am Abend machte ich mich auf zu Horst Auwela, wegen der Frikadellen und der Renovierung seiner Hütte. Ich war lange nicht mehr bei ihm gewesen und war mehr als überrascht. In seiner 25qm großen Höhle sah es aus wie bei einem Klüngelspit. Eine Hantelbank und eine Heimorgel, eine Fahrrad-Heimtrainer, eine verstaubte Gitarre, ein Trampolin, zwei PC’s, von denen keiner funktioniert, drei Bildschirme, mehrere Jahrgänge Zeitschriften und Tageszeitungen, der Hamsterkäfig mit Fridolin, sein Partner Lieutanant Stoned, ein zwitschernder Wellensittich, einige Kartons mit Geschirr und Kleidung, einige Dosen Sauerkraut, Brechbohnen, ein Sack Kartoffeln, drei Kisten Mineralwasser, zwei Kartons H-Milch – mehr weiß ich jetzt nicht.

“Horst, da läßt du dir aber jemand kommen. Da helf ich dir nicht mit. Melde dich beim Sozialamt, sie sollen Dir jemand von der ambulanten Wohnungshilfe genehmigen.”

“Kennst du da jemand, Jonny?”

“Jonny wird mal seine Fühler ausstrecken.”

“Weißt du, Jonny, das alles verleiht mir ein bißchen Sicherheit.”

Heute morgen war ich dann um sieben hoch. Zum Frühstück guck ich manchmal die Talkshow im WDR mit der Böttinger. Diese Gesellschaft, denk ich,  ist eine einzige Quasselbude. Der Comedian Thomas Hermann war da, der Ingo Appelt, die Schauspielerin Michelle Barthel und die Musikerin Miss Platnum. Die Michelle erzählte ihre verzweifelte Geschichte, die sich in einem Flugzeug abgespielt hat, wo sie einen Fensterplatz eingenommen hatte. Ein menschliches Bedürfnis, wo der Kaiser allein und zu Fuß hingeht, hat sie dann bedrückt. Aber sie traute sich zuerst nicht, das neben sie sitzende Rentnerehepaar zu unterrichten, aber dann doch, und das verständnisvolle und lebenserfahrene Rentnerpaar stand dann ohne Murren auf, wenn auch sehr umständlich, was sie baff erstaunte. Da hat der Thomas eine weitere Geschichte aus der Luftfahrt zu erzählen gewußt, wie die Rentner immer mit den Regenmänteln um sich werfen, wenn sie die Stufen zum Aeroplan erklimmen und dann die Armlehnen belegen, was dem Thomas Schwierigkeiten bei der Lektüre der SZ bereitet. Und das im Flugzeug alle Passagiere Tomatensaft trinken, er aber neuerdings auch wieder Apfelsaft. Auch er ist erstaunt und überrascht über die osteoproseccokranken, schwerfälligen und klappernden Altersknochen der Flug(r)enten.

Was soll man sagen. Unsereiner ärgert sich einen Moment, das er GEZ-Gebühr zahlt für Nix und Wiedernix. Aber ganz stimmt es auch nicht. Im Bayerischen Fernsehen, um 12 Uhr Mittag: der 2005 verstorbene Chefdirigent des Münchner Rundfunkorchesters Marcello Viotti erzählt die Geschichte von Ravels Ma mere l’Oye. Wie süß das Leben sein kann – man möchte weinen.

Thierry De Mey – Ravel Film de danse 2001 Charleroi danses  



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