A hard life in Mülheim-Styrum

Ich hätte nicht gedacht, daß ich nochmal so gut gelaunt zurückkomme.  Nach der Fußballweltmeisterschaft plagte mich unendlicher Muskelkater. Ich war schlichtweg high und hab dann, wie so viele geniale Fußballer, erst einmal den Erfolg in Bräustübl gefeiert und begossen. Mit dem Ergebnis, daß ich dann doch unter dem Tisch landete und neben Muskelkaterschmerzen in den Waden auch noch einen morgendlichen Brummschädel hatte, für den sich kein Kopfkissen finden ließ.

Da verging der Sommer durchwachsen, der Herbst und jetzo ist Winter. Ich hab mich zusammengerissen und fange wieder von Neuem an. Mich freut, daß die Tage wieder länger sind. Der Morgen beginnt früher, die abendliche Dunkelheit setzt später ein. Hier und da hört man schon Vögel zwitschern. Das macht im Leben viel aus. Ich denke, Sie sehen das genauso.

Machen wir uns nix vor

“Machen wir uns nix vor. Und kommen sie erstmal zur Ruhe,” ermahnte ich den Kundenberater von der Telefongesellschaft, der mir die neue Technologie modernen Fernsehens schmackhaft machen wollte.

“Filme ohne Werbung, übers Glasfasernetz. Was haben sie für einen Anschluß?”

“Kabelsalatfernseh aus der Steckdose.”

“Da sparen sie sich die Kosten fürs Kabel.”

“Die sind aber schon in der Miete enthalten.”

“Da kommen sie raus. Ich würde Ihnen gleich auch zu HDTV raten, zehn Euro mehr. Astreines Fernsehen, gestochenscharfe Bilder.”

“Auch bei Melissa – folge Deinem Herzen?”

“Alles. Auch Bundesliga total.”

“Hören sie”, denn in dem Moment hatte ich sogar ein wenig Gefallen an dem Gespräch gefunden, “ich bin ein ernsthafter Mensch und gucke nur sehr wenig fern.”

“Sehen sie, ich auch. Und das wird dann im Endeffekt noch weniger, weil ja die Werbung wegfällt.”

“Da haben sie durchaus recht. Und brauche ich da eventuell weitere Endgeräte.”

“Mit was für’n Router arbeiten sie denn? Najagut, die Eumex haut da nicht hin. Und dann brauchen sie noch einen Receiver, können sie kaufen oder mieten.”

“Im Moment betreibe ich eine sehr restriktive Haushaltspolitik. Darunter fällt auch die Herausforderung der Kostensenkung, ohne daß ich meine Frau gleich in die Wüste schicke, da sie doch die Anweisung erhalten hat, Brot vom Vortag einzuholen, weil ich schlecht zu Fuß bin.”

“Perfekt. Da sind noch Gutschriften drin für sie, sie haben 16 GigaByte Übertragungsrate, keine Werbung, höchste Qualität, exklusives Programm.”

“Ich gucke gern Harald Glööckler.”

“Kenne ich nicht, aber den kriegen wir schon her. Das glaube ich doch.”

“Wenn sie das nicht genau wissen, dann erkundigen sie sich erstmal, das ist mir wichtig. Ich ruf sie dann wieder zurück.”

“Am besten bis Ende Mai. Denn da winken noch allerhand Überraschungen.”

“Aber denken sie mir an den Glööckler!”

In der 4. Dimension – Archetyp – Der Gebeugte

Ich war in der historischen Dimension der Menschheitsgeschichte wirklich nur eine kurze Zeit außer Haus. Ein paar Tage, die ich nicht schreiben konnte oder wollte. Nach der Renovierung von Horst Auwelas Wohnung, habe ich meiner eigenen gleich auch einen neuen Anstrich verpaßt, da ich einmal in Schwung war. Dann aber ein Ereignis, das zu beschreiben meine Worte nicht ausreichen.

Der Flug in der hölzernen Rakete der Tullus alpha 11, Punkt. Was für ein Start, was für eine Landung, dazwischen, was für Flüge. Jeder Holzfachmann wird bestätigen, das der Naturrohstoff Holz arbeitet, ob als Fußboden, Schrank, Stuhl, Lesepult oder sonstiges Möbelstück. Holz benötigt Pflege, ein gewisses Maß an Feuchtigkeit und gelegentlich ein Staubtuch. Was sich aber im Innern einer hölzernen Rakete abspielt, dieses Knirschen und Knarzen während des Fluges, das Reißen und Ruckeln bei Start und Landung - mir standen die Haare anfänglich zu Berge und die Angst im Nacken. Aber die Crew um Giovanni Impermeabile, sie will ich hier erwähnen und weithin in Tönen loben.

Giovanni ist ein Mann der vierten Dimension, der Archetyp des Gebeugten. Mehr aber will ich über diesen ungewöhnlichen Abenteurer nicht ausplaudern, denn nicht ohne Grund hatte er sich der Öffentlichkeit entzogen. Und so wie mich Giovanni in seinen Bann zog, so auch die Mitglieder der Bewegung der Silberspitze, der Damenchor Dicke Decke für eiskalte Damenfüße und die bezaubernde Schöner-Fuß, die mein altes Herz in schöne Aufregung versetzte, so daß ich mit dem Kopf gegen einen Türstock lief. Den Mitarbeiterinnen vom Santorini-Grill blieb die Luft weg, als wir die Eppenhauser Straße hoch sind und vor ihrem Lokal aus der Rakete stiegen. Aber jetzt ist es spät geworden. Doch eins kann ich sagen, mein Leben hat sich verändert.

Die 4. Dimension

Mein Schneckchen Emma

Eine Zeit abgetaucht

Dem Horst Auwela sein Ersuchen auf Unterstützung bei der Wohnungsreno-vierung wurde aus empfindlichen Gründen abgelehnt. Er wird wohl ein Kreuz an der falschen Stelle, ins falsche Kästchen gesetzt haben. Aus diesem Grund war ich in den letzten Wochen stark eingespannt. Der Ofen-Erich war mit seinem Kleintransporter behilflich. Viel Arbeit hat das Entfernen der mit Latexfarbe bestrichenen Rauhfaser gemacht. Latexfarbe auf ‘ner Rauhfaser, da dringt kein Wasser hinter. Die Wände beigeputzt und Tiefgrund aufgetragen. Da, wo der Horst seine Frikadellen brutzelt, haben wir eine ganz einfache Fliese verlegt, daß er die Fettspritzer leicht wegwischen kann. Wegen der Feuchtigkeit verwendeten wir eine Fungizidwandfarbe. Bis auf das Bett war aller Hausrat  in der Garage vom Ofen-Erich untergebracht. Der Horst hat auf seiner Baustelle geschlafen, das hat ihm nix ausgemacht. In der ganzen Zeit haben seine vier Gaststätten auf seine Bremsklötze verzichten müssen. Zum Schluß noch der Laminatboden, da war der Horst dann zwei Tage bei seiner Schwester.

Horst lebt wieder in würdigen Verhältnissen

Der Horst strahlt, als hätten wir eine neue Regierung, eine neue Weltordnung, wie wenn jetzt alles gut würde.

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